Geplant planlos

Wenn der Plan nicht aufgeht

Meine Frau und ich waren am letzten Wochenende in Paris. Zehnter Hochzeitstag und so, da wollten wir mal etwas Besonderes machen. Vorher haben wir Führer gewälzt und geschaut, was wir alles sehen wollten. Natürlich standen die großen Museen auf dem Plan: Louvre, Orangerie etc. Der Samstag würde toll werden.
Ankunft in Paris. Hochwasserwarnung. Am Samstag dann Hochwasser der Seine, alles unter Wasser. Museen haben geschlossen. Kein Louvre, keine Mona Lisa, keine Orangerie. Am Wochenende haben wir kein Museum von innen gesehen. Alles, was wir geplant hatten, war über den Haufen geworfen.

Mist – könnte man sagen.

Stattdessen waren wir spazieren: In Montmatre, im Quartier Latin, an der Sacre-Coeur und über den Dächern von Paris. Und es war einfach gut.

Das Wochenende ist mir zu einem Bild über die Unmöglichkeit der Planung geworden. Was haben wir als Menschen nicht alles für Pläne?!
Wenn ich groß bin möchte ich…
Meinen zukünftigen Partner stelle ich mir folgendermaßen vor….
Ich möchte einmal so viel Geld verdienen….
Nächstes Wochenende wird er Hammer, weil….

Vom Pläne schmieden

Ich möchte damit nicht sagen, dass Pläne schmieden sinnlos wäre. Es gibt uns häufig Antriebs- und Spannkraft. Es lässt uns auf ein Ziel hinarbeiten.
Ich stelle nur fest, dass es sehr viel Enttäuschung und Verbitterung gibt, wenn Pläne nicht so „funktionieren“, wie wir es gerne hätten. Wie wir gestresst die von uns aufgestellten Pläne verfolgen. Und das nicht, weil sie uns gut tun, sondern weil wir ja geplant haben, und Pläne auch unbedingt eingehalten werden müssen.
Und so verplanen wir unser Leben. Schule und Karriere – voll durchgeplant. Familienzeit – ein- und durchgeplant. Das nächste Urlaubsprogramm – alles sitzt perfekt.
Auch in meiner Gemeinde ist das so: Das nächste Quartal – lückenlos gefüllt. Der nächste Gottesdienst – minutiös erarbeitet. Finanzen – Centgenau gerechnet.

Und wenn ein Puzzleteil mal nicht passt? Dann wird rotiert und Mails geschrieben, angerufen und so lange gedrängt und gedrängelt, bis auch die letzte Lücke im Plan voll ist. Dann war der Urlaub nicht mehr perfekt, weil man das Programm umwerfen musste. Oder man macht sich selbst Vorwürfe oder Druck, weil die Schullaufbahn nicht schön gradlinig verlaufen ist.

Ich halte dagegen: Pläne sind nur so lange gut, wie sie uns Leitlinie und nicht Zwang sind. Oder um es mit einem abgewandelten Jesus-Wort zu sagen: Pläne sind für den Menschen da und nicht der Mensch für die Pläne.
Also: Was sind deine Pläne? Was hast du vor im Leben? Was sind deine nächsten Schritte? Ist es eigentlich notwendig, hier zu planen? Wo hast du geplante „planlose“ Phasen, um kreativ, frei und berühmt zu werden? 🙂 Und damit meine ich nciht, einen Plan B in der Tasche zu haben, sondern wirklich mal planlos zu sein.

Ich bemerke, dass das Planen zunimmt. Vielleicht ist das auch nur ein Eindruck von mir, aber meine Beobachtung ist, dass wir als Menschen merken, wie wir immer weniger Kontrolle über unser Leben haben (Stichwort: Fremdbestimmung) und durch Planen immer mehr Kontrolle zurückerlangen wollen. Das Gemeine daran ist: Das funktioniert nicht!

Gott und seine Pläne

Für mich als Christ (und Pastor) wird es besonders dann kritisch, wenn diese „scheinbare Planbarkeit“ auch auf den Glauben übertragen wird:
Ich habe meinen Plan von Glaube/Leben/Gemeinde/Liebe/Heiliger Geist/…. und Gott wird das schon so machen. Oder ich bin sauer mit Gott. Oder enttäuscht. Oder wütend. Oder ich gehe nicht mehr in die Gemeinde.

Ich finde, Gott ist da ganz klar und möchte eine Bibelstelle nicht unerwähnt lassen:
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 58, 8+9).

Gott folgt nicht der menschlichen Logik und Planung. Das muss uns immer wieder klar sein. Er lässt sich in kein System und in keinen Plan „drücken“.
An Gott zu glauben und Jesus nachzufolgen bedeutet nämlich genau das Gegenteil davon zu tun, was wir so häufig durch Planen zu erzwingen versuchen: Die Kontrolle über unser Leben zurückzugewinnen.
An Gott zu glauben und Jesus nachzufolgen bedeutet eben das Gegenteil: Im Vertrauen auf Gottes „höhere“ Wege die Kontrolle an ihn abzugeben.
Das bedeutet, die eigenen Pläne hinter die Gottes hinten an zu stellen. Das bedeutet, Gott den Raum zu lassen, seine Pläne in unserem Leben Wirklichkeit werden zu lassen.
Das wird nicht funktionieren, indem wir Gottes Handeln in unseren Terminkalender integrieren, indem wir ihm Zeitfenster von 8-9 Uhr zugestehen. Das können wir nur lernen, wenn unser ganzes Leben ihm gehört.
Für mich ist herausfordernd die Balance zu halten. Ich plane gerne. Und ich möchte, dass mein ganzes Leben Gott gehört. Also plane ich. Und ich bete – vorher. Und ich bin nicht enttäuscht, wenn mein Plan nicht aufgeht.

Denn es sind gute Gedanken, die Gott über uns denkt:
„Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“ (Jeremia 29,11)

Ein Nachtrag

Es ist mir nicht einfach gefallen, diesen Artikel zu schreiben. In mir bohrt die Frage: Und wenn meine Pläne ganz zu Ende sind? Wenn sie mit Leid, Krankheit und Tod verbunden sind? Wo ist Gott dann? Wo sind seine guten Gedanken? Was ist, wenn die Lebenspläne, die man hat(te), elementar gefährdet sind?
In meinem Umfeld waren und sind auch noch einige (geliebte) Personen, deren Lebensplanung grundsätzlich auf den Kopf gestellt wurde. Was ist daran gut, krank zu sein, zu sterben oder nur noch auf das Ende zu warten? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
Ich fühle, dass hier keine Plattitüden helfen: „Gott wird schon wissen, was er tut. Die Ewigkeit ist sowieso der bessere Ort. Gott wird schon seinen Plan haben. Er/sie ist jetzt an einem besseren Ort.“

Nein – ich arbeite mich an den „anderen“ Wegen Gottes ab. Wenn sie „höher“ sind, muss ich auch damit leben, sie vielleicht niemals zu verstehen. Ich kann nur: mitbeten, mittrauern, mitvertrauen.
Vielleicht verstehe ich irgendwann, was daran „gut“ sein sollte. Noch so eine Plattitüde.

 

Meine Biografischen Angaben findest du unter "Persönliches".
  1. steffi Antworten

    mir gibt es einen Hinweis, was unser Trauvers ist:
    Psalm 86, 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte.
    In dieser Nähe und in diesem Respekt bekommen meine Pläne einen Fokus.
    Ich seufze und ich ringe, um diese Wege in meinem Leben. Gottes Wege.

    • Mathis Antworten

      Danke fürs teilen!

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